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(…) Sʼil y avait une vérité en ce monde, cʼétait ce bout de carton. En professionnel du mystère vite éclairci, Salim y vit un pense-bȇte griffonné à la hâte. «Cʼest ça les bouts de papier, quand tu les trouves dans une vieille poche tʼas lʼimpression dʼavoir égaré une partie de ta vie.»
Boualem Sansal, Lʼenfant fou de lʼarbe creux, Éditions Gallimard, 2000

(…) wenn es auf dieser Welt eine Wahrheit gab, dann dieses Stück Karton. Als Profi in Sachen Aufdeckung von Geheimnissen sah Salim es als hastig hingekritzelte Gedächtnisstütze. „So ist es immer mit den losen Zetteln, wenn du sie in irgendeiner alten Tasche findest, hast Du das Gefühl dir ist ein Teil deines Lebens abhanden gekommen.“
Boualem Sansal, Das verrückte Kind aus dem hohlen Baum, Merlin Verlag

english version below

Kunst lebt von der Anschauung und vom Dialog über diese. Zusammen mit dem Kunsthistoriker Thomas Hammacher haben wir begonnen, uns meinen Bildern dialogisch zu nähern. Die Ergebnisse unserer Werkstattgespräche finden Sie hier. Für Fragen und Anregungen sind wir jederzeit offen, bitte benutzen Sie das Web-Formular unter contact.

Werkstattgespräche 1

Theo van Doesburg unterscheidet in seinem Manifest «Art Concret» von 1930, die Begriffe «konkrete» und «abstrakte» Malerei. 
«Konkret» nennt er Bilder, die keinerlei, wie auch immer geartete abbildende Funktion haben die allein mit sich selber identisch sind. «Abstrakt» hingegen sind für ihn Bilder, die auf etwas außerhalb ihrer selbst verweisen, die einen referentiellen oder semantischen Bezug auf etwas außerhalb des Bildes haben. Wo würdest du deine Bilder in dieser versuchsweisen Dichtomie einordnen?

In beides. Denn alles was die Leinwand überzieht, also weiß ist, oder auch gelb ist im Prinzip aufgebaut wie «konkrete Malerei». Es geht in diesem Moment tatsächlich nur ums Material, um die vielen dünnen Schichten von Farbe. Die Veränderung darin ist das Wichtige. Aber das fertige Bild spricht natürlich eine andere Sprache, es gibt immer etwas auf diesem «konkreten Grund». Es gibt immer einen Stempel oder eine Unterschrift, ein Bildchen, etwas, was von einem konkreten Vorfall stammt. Ein Relikt.

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Werkstattgespräche 2

Ich möchte in unserem heutigen Gespräch noch einmal auf ein paar Punkte zurückkommen, die wir in unserem ersten Dialog angesprochen haben. Zum Einen ist das die Wahl der Technik. Du greifst eine malerische Technik, die klassische Imprimiturmalerei auf, die heute weitestgehend verloren ist. Du hast in unserem ersten Dialog erläutert, wie Du zu dieser Technik gekommen bist. Ich möchte hier noch mal anschließen: Ist die Wahl dieser Technik auch das Bekenntnis zu einer Tradition? Und wenn ja, wie würdest Du diese Tradition beschreiben, wie Deinen Platz in dieser Tradition? Und weiter: wie berührt diese Tradition Dein Selbstverständnis als Malerin? 

Bekenntnis zu einer Tradition?

Das habe ich nie so gesehen. Zunächst war es eine Annäherung an Ölmalerei, die an der Akademie so vermittelt wurde und mir Möglichkeiten eröffnet hat, die ich gerne angenommen habe. Ich kam nie mit einer pastosen Malweise zurecht. Die dünne Imprimitur mit einer soliden Untermalung hat mir da neue Wege geöffnet. Also zunächst eine ganz sachliche, praktische Entscheidung. Allerdings muss ich feststellen, das Traditionen für mich eine Rolle spielen, ganz allgemein. Nicht in der Erhaltung alter Maßstäbe und Werte, sondern im Verständnis für das Heute. Ich interessiere mich für Geschichte allgemein, dieses Interesse beschränkt sich nicht auf Kunstgeschichte. Insofern kann es natürlich sein, dass mich „Tradition“ zumindest nicht abgeschreckt hat. Ein bewusstes Bekenntnis dazu würde ich das allerdings nicht nennen. Um die letzte Frage zu beantworten, müsste ich mein Selbstverständnis als Malerin verstehen. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass es eine Situation geben könnte, in der ich morgens Fischerin, mittags Jägerin und abends Kritikerin sein könnte. Da wäre dann wohl auch Platz Künstlerin zu sein.

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Art becomes alive through perception and dialog. Art historian Thomas Hammacher and I started to talk about my paintings. You will find the results of our talks on this site.
Do you have questions or comments? Please, don´t hesitate to participate, use the web form which you find under contact.

In the studio 1

In his manifesto „Art Concret“ 1930, Theo van Doesburg makes a distinction between the term „concrete“ and „abstract“ painting. He states pictures, which have no depict function, so to say a picture which has no other significance than ‚itself‘ are concrete.“ „Abstract“ pictures are pictures which refer to something outside of themselves, which have a referential or semantical basis outside of the picture. Regarding these two experimental apportionments, what do you think is the position of your paintings?

Well, both, because technically anything that covers the canvas, which is white or sometimes yellow is essentially created like „concret painting“. At that moment material is the only thing that matters, it is the number of thin layers of paint. The changes in between are important. But when the painting is done, it speaks a different language, there is always something on that „concret“ basis. There is always a stamp or a signature, a little graphic, something that remains in a certain event – a leftover.

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In the studio 2

Today I would like to come back to a few topics we discussed before. One topic is the technique. You’ve chosen a painting technique, which is old fashioned and largely gone. It is the classic imprimatur method of painting. In the previous conversation you had told us how you found this technique; I would like to join back into that conversation: When you’ve chosen this technique is it also a commitment to a tradition? And if yes, how would you describe this tradition and your position in it. And further on, how does this tradition connect with your self-concept as a painter?

Commitment to a tradition? I don’t know that is strong, I’ve never seen it this way. First it was an approach to oil painting, which was taught at the academy and opened possibilities, which I embraced. It wasn’t my way of painting using color in a thickly impasto style ever. The thin layers with a compact under-painting opened up a new way to paint. Well, first it was a practical decision. Nevertheless I can say that traditions in general play a role for me. Not to preserve old patterns and values, but to understand the present. I am interested in history, not only art-history. So it might help not to be scared by “tradition”. But I wouldn’t call it a conscious commitment. To answer your last question, I would need to understand my self-image as a painter. I always thought there would be a situation, where I could be a fisher in the morning, a hunter in the afternoon and a critic at night. I bet there would be also space to be an artist.

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